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Axpo-Studie bestätigt zentrale Rolle der Photovoltaik, unterschätzt aber weiterhin das Potenzial
23.03.2026
Die Axpo Energy Reports liefern einen wichtigen Beitrag zur energiepolitischen Debatte. Positiv ist insbesondere, dass Axpo die zentrale Rolle der Photovoltaik bestätigt, die sinkende Auslandabhängigkeit der Schweiz aufzeigt und die Risiken neuer Kernkraftwerke anerkennt. Gleichzeitig weist die Studie wesentliche Schwächen auf und unterschätzt die Dynamik und Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien.
Die Axpo bestätigt mit ihren Energy Reports: Photovoltaik ist eine tragende Säule der Stromversorgung. Bis 2050 liefert sie im Winter 7 bis 10 TWh Strom. Das technisch mögliche Winterpotenzial liegt sogar bei rund 18 TWh und damit deutlich höher als die Winterproduktion neuer Kernkraftwerke.
Auch bei der Versorgungssicherheit ist die Botschaft klar: Durch die Elektrifizierung mit erneuerbaren Energien sinkt die Auslandabhängigkeit stark. Szenarien mit neuen Kernkraftwerken schneiden schlechter ab, weil sie weiterhin stark von Importen, insbesondere von Uran, abhängig bleiben. Gleichzeitig bleiben die Stromimporte mit maximal 5 TWh im Vergleich zu heutigen vor allem fossilen Energieimporten von rund 190 TWh marginal (siehe dazu auch Kapitel 3 im Faktenblatt von Swissolar).
Axpo bestätigt zudem die hohen finanziellen Risiken neuer Kernkraftwerke: Ohne vollständige staatliche Absicherung sind sie nicht wirtschaftlich tragfähig. Gleichzeitig hebt die Studie die wichtige Rolle der Windenergie als Ergänzung zur Photovoltaik hervor – insbesondere im Winter. Swissolar unterstützt diesen Ausbau.
«Die Axpo-Studie bestätigt den richtigen Weg, unterschätzt aber massiv, wie schnell ausbaubar und kostengünstig die erneuerbaren Energien bereits heute sind.» erklärt Matthias Egli, Geschäftsführer Swissolar. Denn die Axpo-Studie weist grundlegende Schwächen auf, die zu einer verzerrten Gesamtbewertung führen. Insbesondere durch den einseitigen Winterfokus werden zentrale Entwicklungen systematisch unterschätzt:
Erneuerbare übertreffen Erwartungen
Der Ausbau der erneuerbaren Energien – insbesondere der Photovoltaik – verläuft deutlich schneller als prognostiziert. Das Ausbauziel der Energiestrategie 2050 für die neuen Erneuerbaren für 2035 wurde bereits heute, rund neun Jahre früher als geplant, erreicht.
Photovoltaik liefert bereits heute entscheidenden Winterstrom
Die Realität zeigt: Photovoltaik (PV) leistet bereits heute einen substanziellen Beitrag zur Schweizer Winterversorgung. Im Winter 2025/26 deckte PV rund 60 % des durchschnittlichen Importbedarfs. Gleichzeitig wächst die Winterproduktion durch PV jährlich um 0,4 TWh. Bis 2050 werden so aus PV 12,3 TWh Winterstrom erzeugt, 36 % mehrals die hypothetischen zwei neuen Kernkraftwerke im Axpo-Szenario «Koexistenz». Die Befürchtung einer Winterstromlücke wird durch diese oft übersehene Entwicklung stark relativiert (siehe Kapitel 1 und 2 im Faktenblatt von Swissolar).
Photovoltaik benötigt deutlich weniger Förderung als Kernenergie
Auch weist Photovoltaik gemäss Axpo im Vergleich zu anderen Technologien den geringsten Förderbedarf auf. Pro erzeugter Winterstrommenge ist dieser rund halb so hoch wie bei neuen Kernkraftwerken – bei gleichzeitig deutlich geringeren Risiken.
Eigenverbrauch und Flexibilität als Systemvorteil
Eigenverbrauch ist keine Förderung, sondern ein technologischer Vorteil der Photovoltaik. Dezentrale Produktion, Batteriespeicher und flexible Verbrauchssteuerung tragen dazu bei, Produktion und Nachfrage lokal auszugleichen und das Energiesystem effizienter zu machen (siehe Kapitel 4 im Faktenblatt von Swissolar).
Kostenentwicklung wird unterschätzt – Erneuerbare sind günstiger
Die Studie unterschätzt die Dynamik der Kostenreduktion bei Photovoltaik und Batteriespeichern. Internationale Erfahrungen zeigen ausgeprägte Lernkurven. Realistische Annahmen führen zu Systemkosten, die bis zu 20 % unter den von Axpo ausgewiesenen Werten liegen. Zudem werden wichtige kostengünstige PV-Segmente wie Dachanlagen mit einer Leistung von 30 kW und mehr, in der Analyse nicht berücksichtigt, was das Gesamtbild zusätzlich verzerrt.
Netze werden entlastet, nicht belastet
Die Rolle von dezentraler Produktion und Speichern wird in der Studie unterschätzt. Diese reduzieren nachweislich den Netzausbaubedarf erheblich – mit Einsparpotenzialen von bis zu 60 %. Damit sind erneuerbare Energien nicht Kostentreiber, sondern Teil der Lösung für ein effizientes Stromsystem (siehe Kapitel 5 im Faktenblatt von Swissolar).
Szenarien ohne klare energiepolitische Richtung
Axpo lässt alle Optionen offen – insbesondere die der Kernenergie, obwohl sie die hohen Kosten aufgrund der explizit genannten Risiken nicht übernehmen und sie an den Staat überwälzen will. Diese gespielte «Technologieoffenheit» schafft Unsicherheit und widerspricht erfolgreichen energiepolitischen Transformationsprozessen, die auf klaren strategischen Entscheidungen basieren.
Fazit: Es braucht ein realistisches Szenario für erneuerbare Energien
Die Axpo-Studie bestätigt wichtige Grundlagen der Energiewende, bleibt jedoch in zentralen Punkten zu konservativ und ohne Ambition. Die Kombination aus einseitiger Methodik, unterschätzten Lernkurven und fehlender Systemperspektive führt zu einer systematischen Unterschätzung der erneuerbaren Energien.
Swissolar fordert deshalb:
- Die konsequente Berücksichtigung von Lernkurven bei Photovoltaik und Speichern
- Berücksichtigung der finanziellen Risiken der AKW in den Gesamtkosten statt ein Abschieben auf die Bevölkerung
- Eine realistische Bewertung der Netzentlastung durch dezentrale Flexibilität und Eigenverbrauch
- Eine klare energiepolitische Fokussierung auf erneuerbare Energien und Speicher
Die Energiewende ist längst Realität – jetzt braucht es Konsequenz statt Zögern.
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