Photovoltaik und Eigenverbrauch im öffentlichen Verkehr

Energiestrategie 2050 im öffentlichen Verkehr – ESöV 2050

«Photovoltaikanlagen auf Gebäuden, Perrondächern und Werkstätten der öffentlichen Verkehrsbetriebe haben das Potenzial deren gesamten Treib- und Brennstoffverbrauch zu ersetzen.» Dr. Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr

Der öffentliche Personenverkehr ist sehr energieeffizient: Bei gleicher Transportleistung braucht er nur einen Drittel der Energie des motorisierten Individualverkehrs. Im Güterverkehr beträgt dieser Unterschied gar Faktor zehn. Um seinen Umweltvorteil zu halten, muss der öffentliche Verkehr aber den Anteil erneuerbarer Energie weiter erhöhen.

Doch der Verkehr nimmt zu, und zugleich müssen Busbetriebe auf Strom umsteigen. Die Photovoltaik (PV) bietet allen Transportunternehmen des öffentlichen Verkehrs (TU) die Möglichkeit, ihre Energieversorgung zu einem grossen Teil in die eigene Hand zu nehmen. TU könnten dadurch rund einen Viertel ihres Strombedarfs auf eigenen Gebäuden erzeugen. Für die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen ist es hilfreich, wenn ein grosser Teil des produzierten Stroms zeitgleich verbraucht, also ein hoher Eigenverbrauch erreicht wird. Mit einem neuen Leitfaden unterstützt das Bundesamt für Verkehr (BAV) die TU bei der Nutzung dieses Potenzials. Thematisiert werden darin unter anderem:

  • Potenzial für PV, Energieertrag und Eigenverbrauch
  • Vielseitige Einsatzmöglichkeiten von PV im öffentlichen Verkehr, illustriert anhand von Beispielen
  • Überwindung möglicher Hürden und Finanzierung, Potenzial für PV, Energieertrag und Eigenverbrauch

Einige Highlights aus dem Leitfaden werden auf dieser Website vorgestellt.

1 m² Solarmodule deckt den jährlichen Strombedarf von rund 2500 Personenkilometern mit dem Zug.

Energie von den eigenen Dächern

Der öffentliche Verkehr in der Schweiz ist sehr gut ausgebaut und benötigt entsprechend viel Energie. Der Stromverbrauch aller Verkehrsunternehmen liegt bei etwa 2,7 TWh. Hinzu kommen 120 Millionen Liter Diesel. Soll der gesamte öffentliche Verkehr in Zukunft CO2-neutral betrieben werden, benötigt er rund 3,5 TWh Strom, wovon heute bereits rund 2 TWh von den Wasserkraftwerken der SBB produziert werden. Dies entspricht bereits knapp 60 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der Verkehrsunternehmen. Die Produktion der restlichen 1,5 TWh mit Sonnenenergie würde eine PV-Modulfläche von rund 7 500 000 m² erfordern, was etwa 1 m² pro Einwohner in der Schweiz entspricht. Hochrechnungen von verschiedenen TU zeigen, dass diese etwa 20–30 Prozent ihres Strombedarfs auf ihren eigenen Gebäuden erzeugen könnten. Solarenergie kann somit einen entscheidenden Beitrag zum Ersatz der nichterneuerbaren Energien im öffentlichen Verkehr leisten. Es sind bereits mehrere Anlagen in Betrieb (siehe Projektbeispiele im Leitfaden).

Das Potenzial für Solarstrom am Gebäudepark der Schweiz beträgt 67 TWh pro Jahr und übertrifft damit den aktuellen Schweizer Stromverbrauch um 10 %.

PV-Anlagensegmente im öffentlichen Verkehr

Je nach Nutzung eines Gebäudes oder einer Infrastruktur ändern sich für Transportunternehmen im öffentlichen Verkehr die Investitionsmöglichkeiten und Bewilligungsverfahren. Im Leitfaden werden auf folgende Nutzungsmöglichkeiten eingegangen: 

  • Immobilien
  • Bahntechnik
  • Infrastruktur

Finanzierung und mögliche Hürden

Förderung: Auf Bundesebene werden PV-Anlagen (auch jene von TU) mit der Einmalvergütung gefördert, die rund 25 % der Investitionskosten abdeckt. Gesuche sind an die Förderstelle Pronovo zu richten. Eine PV-Anlage lässt sich typischerweise in 15 bis 20 Jahren amortisieren. Danach wird sie bis zum Ende ihrer Lebensdauer von weit über 25 Jahren zu einer wirtschaftlichen Renditeanlage.

Bewilligungen: Hierbei ist zwischen dem eisenbahnrechtlichen und dem kommunalrechtlichen Verfahren zu unterscheiden. Gemäss Art. 18 EBG ist ausschlaggebend, ob die Baute oder Anlage «ganz oder überwiegend dem Bau und Betrieb dient». Im Leitfaden finden Sie einen Entscheidungsbaum zur einfachen Bestimmung der benötigten Bewilligungen.

Der Eigenverbrauch ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit, er bezieht sich auf den am gleichen Standort produzierten und verbrauchten Strom. Besonders naheliegend wäre für Bahnbetriebe die Direkteinspeisung in die Fahrleitungen. Allerdings gibt es für diese Verwendung erst einige Pilotprojekte (z. B. SBB Zürich-Seebach). In den meisten Fällen wird der Strom für Bahntechnik, IT-Infrastruktur, Beleuchtung, Billetautomaten etc. genutzt. Solarstrom kann aber auch im Rahmen eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch (ZEV) oder via Netzeinspeisung verkauft werden.

Wie können wir den öffentlichen Verkehr unterstützen, klimaneutral zu werden?

  • Lokale Energieversorgungsunternehmen bezahlen einen fairen, langfristig garantierten Rückliefertarif für Solarstrom, der vom TU nicht als Eigenverbrauch verwendet werden kann.
  • Kommunale Baubehörden unterstützen mit ihrer Bewilligungspraxis Projekte zur Solarenergienutzung auf Bahn- und Busgebäuden. Dies gilt insbesondere bei der sorgfältigen Integration von PV-Anlagen in historische Bauten.
  • Trägerschaften von TU (z. B. Verkehrsverbünde, Kantone) unterstützen diese bei der Finanzierung von PV-Anlagen, obwohl ein Payback oft erst nach 15 Jahren oder später erfolgt.
  • Bundes-, Kantons- und Gemeindeverwaltungen bieten Hand für Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV): Öffentliche Gebäude nutzen die Photovoltaik gemeinsam mit den benachbarten Bauten und Infrastrukturen des öffentlichen Verkehrs.

Mehr Informationen

Mehr Infos aus dem Leitfaden zur Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Überwindung der Hürden zur Nutzung der Solarenergie finden Sie unter folgenden Links:

Weiterführende Informationen zum Programm ESöV 2050 des Bundes finden Sie hier:

Kontakt / Fragen

Bei Fragen zu dem Projekt wenden Sie sich bitte an:

Programmleitung
Dr. Tristan Chevroulet
Programmleiter Energiestrategie öV, BAV
info.energie2050@bav.admin.ch, Tel +41 58 465 47 41

Redaktion
David Stickelberger
Geschäftsleiter Swissolar
stickelberger@swissolar.ch, Tel +41 44 250 88 34