Rekordzubau bei der Schweizer Photovoltaik 2020

3. März 2021

Swissolar, der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie, geht im Jahr 2020 von einem neuen Rekordzubau bei Photovoltaikanlagen aus. Gegenüber dem Vorjahr lag das Wachstum bei mindestens 30 Prozent. Doch zur Erreichung der klima- und energiepolitischen Ziele der Schweiz muss der Zubau in den nächsten Jahren um den Faktor 4 gesteigert werden. Um dies zu erreichen, braucht es Anpassungen bei der Förderung, die Pflicht zur Eigenstromnutzung bei Neubauten und raumplanerische Vereinfachungen für Freiflächenanlagen, insbesondere auf Infrastrukturen.

Die offizielle Statistik für den Solarenergie-Zubau im Jahr 2020 wird im Juli 2021 vorliegen. Dennoch ist schon jetzt klar, dass die Schweiz 2020 einen neuen Rekordzubau bei der Photovoltaikzubau verzeichnen kann. Swissolar geht aufgrund von bereits verfügbaren Zahlen davon aus, dass in der Schweiz im vergangenen Jahr Solarstromanlagen mit einer Leistung von 430-460 Megawatt (MW) neu installiert wurden (1). Dies entspricht einem Wachstum von 30-39 Prozent gegenüber 2019. Die Anmeldezahlen bei der Zertifizierungs- und Förderstelle Pronovo lassen darauf schliessen, dass das Wachstum nicht nur bei kleinen Anlagen, sondern auch bei solchen über 100 kW Leistung stattfand.

Kurze Wartefristen und Nebeneffekte der Pandemie

Für das starke Marktwachstum ist insbesondere die Verkürzung der Wartefrist bei der Einmalvergütung verantwortlich. Diese konnte auf wenige Monate reduziert werden. Die 2019 stärker ins Zentrum gerückte Klimakrise hat zudem vermutlich bei einigen Bauvorhaben eine Solar-Integration vorangetrieben. Auch die Pandemie hatte wohl einen Einfluss auf den Solarzubau: Der Wunsch nach Autarkie nahm zu, viele fanden Zeit, um lange gehegte Ideen zu realisieren und finanziell stand mangels anderer Ausgabemöglichkeiten mehr Kapital zur Verfügung. Ob diese Effekte im laufenden Jahr weiterhin wirksam sind, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Der jährliche Photovoltaikzubau in der Schweiz muss vervierfacht werden

Der Rekordzubau darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zubau noch massiv gesteigert werden muss. Pro Kopf entspricht der Zubau 2020 lediglich einer neu installierten Fläche von 0.25-0.27 Quadratmetern. «Um den wegfallenden Atomstrom zu ersetzen und den zusätzlichen Strombedarf für die Elektrifizierung des Verkehrs und der Heizungen zu decken, muss der jährliche Zubau in den nächsten Jahren auf etwa 1500 MW gesteigert werden – also auf das nahezu Vierfache des letzten Jahres» sagt Swissolar-Geschäftsleiter David Stickelberger. Dies sehen auch die kürzlich veröffentlichten Energieperspektiven 2050+ des Bundesamtes für Energie vor.

Zur Erreichung dieses Ziels braucht es aus Sicht der Schweizer Solarbranche folgende politische Massnahmen:

a) Stärkere Förderung von Anlagen ohne Eigenverbrauch: Zahllose Dächer von Ställen, Lagerhäusern und ähnlichen Gebäuden werden heute nicht mit Solaranlagen ausgestattet, da der Strom nicht an Ort und Stelle verbraucht werden kann. Ähnliches gilt für Parkplatzüberdachungen, Lärmschutzwände und weitere Infrastrukturen. Mit der Überweisung der parlamentarischen Initiative 19.443 von Nationalrat Girod hat das Parlament die Möglichkeit in der Hand, Anreize für solche Anlagen zu schaffen.

b) Rasche Umsetzung der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) in allen Kantonen und damit verbunden die Pflicht zur Eigenstromerzeugung bei Neubauten. In einem weiteren Schritt ist eine Verpflichtung zur Nutzung bestehender Dach- und Fassadenflächen zu prüfen.

c) Abbau von Hürden bei der Erstellung von Freiflächenanlagen: Eine kürzlich veröffentlichte Studie der ZHAW zeigt auf, dass Solaranlagen ausserhalb von Gebäuden nur mit Schwierigkeiten eine Baubewilligung erhalten. Davon betroffen sind sinnvolle Nutzungen wie Parkplatzüberdachungen, Systeme zum Schutz empfindlicher landwirtschaftlicher Kulturen anstelle von Folientunnels (Agri-Photovoltaik) oder alpine Anlagen im Umfeld von Skigebieten.

Solarwärme: Unterschätzter Beitrag zur Energiewende

Zum Schluss ein Hinweis auf die andere Anwendungsform der Solarenergie: Der Zubau von Sonnenkollektoren zur Wärmeerzeugung musste nach Einschätzung von Swissolar eine weitere Reduktion von rund 20 Prozent hinnehmen. Dies ist sehr bedauerlich, denn diese Technologie muss einen wesentlichen Beitrag zur zukünftigen fossilfreien Wärmeversorgung leisten, wie die Studie «Machbar und zahlbar. Wärme 2050» der Wärmeinitiative Schweiz zeigt. Demnach können rund 10 Prozent des heutigen Wärmebedarfs mittels Sonnenkollektoren gedeckt werden.

Aus Sicht von Swissolar braucht es eine Förderung von Bund und Kantonen für Solarthermieanlagen, die den sommerlichen Wärmebedarf von Nahwärmenetzen decken (wie in diesem aktuellen Beispiel), für Anlagen zur Produktion industrieller Prozesswärme sowie für die thermische Regeneration von Erdsonden. Dies sind drei der wichtigsten zukünftigen Anwendungsfelder dieser Technologie.
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(1) Diese Zahl stützt sich einerseits auf Befragungen von Branchenvertretern, andererseits auf den Gesuchseingang bei der Zertifizierungs- und Förderstelle Pronovo. Diese Gesuche umfassten 2020 17‘304 Anlagen mit einer Leistung von 373 MW. Hinzu kommt eine nicht bekannte Zahl von Gesuchen aus früheren Jahren, die 2020 einen positiven Förderbescheid erhielten und dann realisiert wurden. 

Weitere Auskünfte:
David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar, stickelberger at swissolar.ch
 
Grafiken Marktentwicklung Schweiz:

  1. Photovoltaik 2010 - 2020
  2. Solarthermie 2005 - 2020


Bilder von folgenden Anlagen, die im Jahr 2020 in Betrieb genommen wurden, stehen unter Angabe des Copyrights redaktionell zur freien Verfügung:

  1. Dachintegrierte Anlage in Meggen (LU)
    Foto: www.meraner-hauser.com
    Zur Verfügung gestellt von Eternit Schweiz AG.
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  2. Die Solarfassade an der «Winter und Sports World Wallisellen» liefert unter anderem Strom für das Eisfeld
    Foto: Die Werke Versorgung Wallisellen AG
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  3. Im ehemaligen Steinbruch Calinis in Felsberg produziert seit Sommer 2020 die grösste Freiflächenanlage Graubündens Strom
    Foto: Eric Bush
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