Öko-Bilanz von PV: Leserbrief

22. Juli 2019

Leserbrief zu „Ernüchternde Öko-Bilanz“ (NZZ, 15.7.2019)

Prominent platziert und mit reisserischem Titel wird die Ökobilanz der Photovoltaik kritisiert. Was genau das Ziel des Artikels ist, bleibt hingegen unklar: Will uns der Autor neue AKW schmackhaft machen? Tatsache ist: Die bestehenden Atomkraftwerke der Schweiz werden trotz verlängerter Laufzeiten bis etwa 2040 alle ausser Betrieb sein. Mit dem Ja zur Energiestrategie 2050 wurde beschlossen, sie nicht durch neue AKW, sondern durch erneuerbare Energien und Effizienzmassnahmen zu ersetzen. Abgesehen davon wäre der Strom aus neuen AKW teurer als jener aus Solar- und Windkraftwerken. Ihr Bau wäre nur mit massiven Subventionen möglich, siehe Hinkley Point in Grossbritannien.

In der zukünftigen Energieversorgung der Schweiz wird Photovoltaik zweifellos eine zentrale Rolle spielen. Die im Artikel genannten 81 Gramm CO2-Äquivalente pro Kilowattstunde dieser Technologie beruhen allerdings auf Produktionsdaten von 2011, deren Aktualisierung zurzeit im Gang ist. Seitdem ist sehr viel geschehen, das die Klimabilanz des Solarstroms verbessert: Die Effizienz der Solarmodule ist um rund 15 Prozent gestiegen, es braucht immer weniger energieintensives Silizium, und der in China (dem wichtigsten Produktionsland) zur Herstellung verwendete Strom wird immer CO2-ärmer, nicht zuletzt dank dem dortigen Ausbau der Photovoltaik. Diese Entwicklung ist noch längst nicht am Ende, sodass gemäss Experten der internationalen Energieagentur bis 2050 ein Wert von 25 Gramm pro Kilowattstunde erreicht werden dürfte. Bei der Atomkraft sieht es genau umgekehrt aus: Sinkende Urangehalte im Erz führen dazu, dass sich deren CO2-Bilanz zukünftig deutlich verschlechtert.

Am Schluss des Artikels wird zu Recht auf die notwendige ganzheitliche Betrachtung hingewiesen. In der erwähnten BAFU-Studie finden sich auch Umweltbelastungspunkte für die verschiedenen Energieerzeugungstechnologien, mit denen neben den Treibhausgasemissionen auch Emissionen anderer Schadstoffe, Ressourcenverbräuche und radioaktive Abfälle berücksichtigt werden. Demnach ist die Umweltbelastung durch Atomstrom schon heute rund dreimal höher als jene durch Solarstrom.

David Stickelberger
Geschäftsleiter
Swissolar - Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie
Zürich