Versorgungs-Sicherheit: Mithelfen beim Aufbau einer europäischen Solarindustrie

17. March 2022

Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg führen in aller Deutlichkeit die Problematik einer global vernetzten Welt und insbesondere der Auslagerung von Schlüsselindustrien vor Augen. Dies gilt für die Lieferketten fast aller verfügbaren Energien, für fast alle Konsumgüter und zu einem gewissen Grad auch für die Photovoltaik, bei deren Herstellung Europa bis vor 10 Jahren noch führend war. Die EU will die Solarindustrie nun zurück nach Europa holen. Die Schweiz kann und muss sich an diesem Projekt beteiligen.

Die EU hat die Problematik als Chance erkannt und beschlossen, eine aktive Industriepolitik zu betreiben und unter anderem die Produktion von Solarpanels nach Europa zurückzuholen. Deshalb wurde in der EU im Jahr 2021 die European Solar Initiative gegründet, für die Investitionen in der Höhe von 400 Milliarden Euro über den Zeitraum von dreissig Jahren vorgesehen sind. 

Der Forschungsstandort Schweiz kann dazu einen wesentlichen Beitrag leisten: Nicht wenige Photovoltaikpioniere kommen aus der Schweiz. Ihr Wissen kam schon zu Beginn auch dem inländischen Werkplatz zugute. Bis heute kann sich der innovative Geist behaupten. Die Schweiz ist heute weltweit führend in der zukunftsträchtigen Gebäudeintegration von Photovoltaik. Nun sind es neben kreativen Forschungsstätten auch Modulproduzenten, Zubehörentwickler, Architekturschaffende und Bauherrschaften, welche die Photovoltaik hierzulande weiterentwickeln und somit auch global vorantreiben. Viele davon sind Mitglieder von Swissolar. Die kleine Schweiz kann also durchaus ein wichtiger Player im Wiederaufbau einer europäischen Photovoltaikproduktion sein. 

Die Schweiz kann und muss sich am Aufbau einer europäischen Solarindustrie beteiligen

Swissolar begrüsst die heutige Zustimmung des Nationalrats zum Postulat von Nationalrätin Gabriela Suter, Vizepräsidentin von Swissolar, zur Beteiligung der Schweiz am Aufbau einer europäischen Solarindustrie: Es ist ein Bekenntnis zu einem gesamteuropäischen Engagement, die Importabhängigkeit bei Solarmodulen zu reduzieren. Enttäuscht ist Swissolar allerdings von der kategorischen Ablehnung industriepolitischer Anreize durch Bundesrat und Nationalrat. Die Ablehnung ist eine vertane Chance, die Schweizer Position als Wissens- und Innovationsvorreiterin im PV-Bereich weiter auszubauen und damit zur Stärkung der europäischen Solarindustrie beizutragen.

Die momentan noch hohe Abhängigkeit von Modulimporten darf gleichzeitig kein Grund sein, den raschen Ausbau der Photovoltaik in der Schweiz weiter zu verzögern. Denn im Gegensatz zu fossilen Energieträgern geschieht der Import nur einmalig und nicht während der Betriebsdauer von rund 30 Jahren oder mehr. Während dieser Zeit trägt Photovoltaik mittels emissionsfreier Stromproduktion dazu bei, die heutigen Energieimporte in der Höhe von jährlich rund 8 Milliarden Franken Jahr für Jahr weiter zu reduzieren. Eine Photovoltaikanlage produziert in der Schweiz durchschnittlich das 20- bis 25-fache an Energie, die für ihren gesamten Lebenszyklus (Produktion, Betrieb, Recycling) nötig ist. 

Photovoltaik produziert emissionsfreien Strom, Wertschöpfung und Jobs in der Schweiz

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist hervorzuheben, dass die Modulkosten, je nach Anlagegrösse, noch 20 bis 40 % der Investitionskosten ausmachen. Wechselrichter und Tragwerk machen weitere 20 % aus. Ein Teil davon wird bereits heute von Schweizer Unternehmen produziert. Der ganze Rest, also rund die Hälfte der Investition, verbleibt als Wertschöpfung (hauptsächlich Planung, Installation, Wartung) in der Schweiz. Im vergangenen Jahr (2021) entsprach alles zusammen einem Umsatz von mehr als  500 Millionen Franken, der direkt in die einheimische Wirtschaft floss – Tendenz steigend. Heute umfasst die Schweizer Solarbranche bereits rund 7000 Vollzeitstellen und diese Zahl dürfte sich in den nächsten 10 Jahren verdreifachen. Swissolar arbeitet deshalb zurzeit am Aufbau einer Berufslehre mit Fokus Solarmontage. Denn das Ziel ist klar: Bis 2050 muss Schweizer Photovoltaik 45 TWh Strom im Jahr liefern, also 15-mal mehr als heute. Was es braucht, um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat Swissolar kürzlich in einem 11-Punkte-Programm der Schweizer Solarwirtschaft zusammengefasst.  

Vor all diesem Hintergrund wenig erstaunlich: Mittlerweile befürworten alle grossen Schweizer Parteien von links bis rechts grundsätzlich den massiven Ausbau der Photovoltaik hierzulande. Swissolar würde es begrüssen, wenn den Worten auch parteiübergreifend – insbesondere bei der FDP und SVP – mehr Taten folgen. 

Postulat «Beteiligung der Schweiz am Aufbau einer europäischen Solarindustrie» 
Chronologie des Postulats
11-Punkte-Programm der Schweizer Solarwirtschaft

Foto: CSEM, Solarstratos, CNES Neuchâtel