Solaranlagen ersetzen Mühleberg bereits zu 80 Prozent – sehr viel mehr ist möglich

20. December 2019

Anlässlich der heutigen Abschaltung des AKW Mühleberg weist Swissolar darauf hin, dass die hierzulande installierten Photovoltaikanlagen schon in eineinhalb Jahren so viel Strom produzieren werden wie Mühleberg. Um auch für die zukünftig stillzulegenden AKW sowie für den wachsenden Strombedarf (u.a. für Elektrifizierung von Mobilität) rechtzeitig Ersatz zu schaffen, fordert Swissolar eine rasche Beschleunigung des Zubaus an Solaranlagen. Bund, Kantone und Energieversorger stehen dabei in der Pflicht. Photovoltaik hat unter den Erneuerbaren das mit Abstand grösste Ausbaupotenzial in der Schweiz.

Das heute abgeschaltete AKW Mühleberg produzierte jährlich knapp 3 Terawattstunden (TWh) Strom (entspricht 3 Milliarden Kilowattstunden, resp. 5 Prozent des Landesverbrauchs). Die heute in der Schweiz installierten Photovoltaikanlagen erreichen eine Jahresproduktion von 2.4 Terawattstunden, also mindestens 80 Prozent der wegfallenden Produktion von Mühleberg.

Schweizer Solarstromproduktion liegt ab 2021 auf dem Niveau von Mühleberg

Dank der durch die Energiestrategie 2050 bereits etwas optimierten Förderung wird sich der Zubau der Photovoltaik im Inland von 270 MW im Jahr 2018 auf rund 400 Megawatt im Jahr 2020 erhöhen. Die jährliche Solarstromproduktion würde so Mitte 2021 auf dem heutigen Niveau von Mühleberg liegen.

Aus Sicht von Swissolar genügt dies allerdings nicht: «Wir sollten pro Jahr mindestens 1500 Megawatt Photovoltaikleistung neu installieren. Einerseits um rechtzeitig Ersatz zu schaffen für die anderen AKW, andererseits wegen des wachsenden Strombedarfs durch Wärmepumpen und Elektromobilität» sagt David Stickelberger.

AKW-Strom durch Solar ersetzen ist möglich - die geeigneten Flächen sind vorhanden

Ein jährlicher Zubau von 1500 Megawatt entspricht einer Fläche von etwa 8.5 Quadratkilometern Solarmodulen. Zum Vergleich: Die Schweizer Siedlungsfläche wächst jährlich um rund 20 Quadratkilometer. Bereits die konsequente solare Nutzung der geeigneten, neu erstellten Dächer und Fassaden könnte dieses benötigte Wachstum also nahezu decken.

Doch dazu benötigt es weiterer Optimierungen der Förderinstrumente:

  • Es braucht einerseits die rasche Überarbeitung der kantonalen Energiegesetze mit der darin enthaltenen Pflicht, bei Neubauten einen Teil des Strombedarfs selbst zu produzieren.
  • Andererseits müssen auf Bundesebene Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich der Bau grosser Photovoltaikanlagen, die nicht für den Eigenbedarf produzieren, wirtschaftlich lohnt.
  • Auch der Abbau bürokratischer Hürden drängt.

Die Stilllegung von Mühleberg sollte ein Weckruf an die politischen Instanzen sein, mit dem Ausbau der Solarenergie vorwärts zu machen. Aber auch die Energieversorger stehen in der Pflicht: Deren Milliardeninvestitionen in Wind und Sonne im Ausland mögen wirtschaftlich interessant sein, aber sie leisten keinen Beitrag zu einer sicheren und sauberen Stromversorgung der Schweiz. Dazu braucht es viel mehr erneuerbare Produktionskapazitäten im Inland. Das Potenzial dafür ist vorhanden.

 

Weitere Auskünfte:
David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar, stickelberger@swissolar.ch,