Stellungnahme zum Artikel «Die verheerende Bilanz von Solarenergie», BaZ vom 20.12.17

21. dicembre 2017

Der altgediente Atomspezialist Ferruccio Ferroni kann es nicht fassen, dass «seine» Energie nicht mehr gefragt ist und sich stattdessen die Solarenergie rasant verbreitet. Seit einiger Zeit schon versucht er sich als Ökobilanzierer, mit dem Ziel, die Photovoltaik anzuschwärzen. Damit die Ergebnisse in seinem Sinn sind, erfindet er dafür gleich eine neue Methodik. Basler Zeitung und Weltwoche, immer offen für «alternative Wahrheiten», drucken die nicht nachvollziehbaren Behauptungen gerne ab.

So auch im neuesten Bericht vom 20. Dezember 2017 in der BaZ. Darin wird zum wiederholten Mal eine Studie zitiert, deren Methoden einer wissenschaftlichen Überprüfung nie standhielten. Damit sollte bewiesen werden, dass die Herstellung von Photovoltaikanlagen mehr Energie verschlinge, als sie je erzeugen würden. 22 internationale Ökobilanz-Spezialisten der internationalen Energieagentur IEA haben diese Studie vor genau einem Jahr widerlegt. Das Ergebnis: Photovoltaikanlagen in der Schweiz produzieren 9-10 Mal mehr Energie als ihre Herstellung erfordert. Die einzige News im BaZ-Artikel: Ferroni und seine Mitautoren halten trotz vehementer Experten-Kritik an ihrer unzulänglichen Methodik* fest, um damit weitere negative Studien über Photovoltaik und andere Erneuerbare zu publizieren.

Der BaZ-Artikel zielt auf die in Baselstadt seit Oktober 2017   gültige Pflicht, auf Neubauten, sofern möglich, Solarenergie zu nutzen. In anderen Kantonen sind ähnliche Regelungen vorgesehen. Diese sind sinnvoll, denn auf unseren Dächern und Fassaden könnten wir rund die Hälfte unseres Strombedarfs mit Photovoltaikanlagen erzeugen. So würden unsere Gebäude zu Kraftwerken und wären nicht mehr die Energieschleudern, die 50% unseres Energiebedarfs verursachen. Zum Einsatz kommen immer noch zur Hauptsache Heizöl und Erdgas, auf die wir bis Mitte des Jahrhunderts als Konsequenz aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verzichten müssen.

Unsere zukünftige Energieversorgung wird sich unweigerlich auf erneuerbare Energien stützen, denn auch Atomkraft hat ausgedient. Dieser Umstieg ist möglich und bezahlbar, denn der Preis für Solarstrom sank innerhalb von 10 Jahren um 80 Prozent und wird weiter sinken. Die Ökobilanz wird dabei laufend besser, dank geringerem Materialverbrauch und höheren Wirkungsgraden. So wird Photovoltaik neben der Wasserkraft zur zweiten Säule unserer Energieversorgung.

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*) Drei Beispiele für die unzulängliche Methodik: 1. die Autoren unterschätzen den jährlichen Ertrag heutiger Photovoltaik-Anlagen in der Schweiz um nahezu einen Viertel; 2. die Autoren unterstellen einen Bedarf an energieintensivem Silizium der 2.7 mal so hoch ist wie in heutigen Photovoltaik-Panels; 3. die Autoren rechnen, und das ist besonders dreist, die Aufwände zur Herstellung von Photovoltaikpanels zweimal: einmal über die Menge der eingesetzten Materialien und ein zweites Mal über den Preis der Photovoltaikpanels. Wesentliche Annahmen und Daten verwenden die Autoren ohne belastbare und zuverlässige Informationsquelle.  

Die Autoren wie auch der im Artikel erwähnte Systemökologe Charles A.S. Hall machen zudem einen häufigen Denkfehler: Sie verwechseln kurzfristiges ökonomisches Denken mit langfristig orientierter Nachhaltigkeit. Soll nämlich die langfristige Nachhaltigkeit der Nutzung einer Energiequelle beurteilt werden, wie das Hall zu tun vorgibt, so ist bei Heizöl, Erdgas und Kernenergie die geförderte nicht erneuerbare Energie als Teil des Aufwands einzurechnen. Diese Energiequellen werden eines Tages erschöpft sein (Stichwort Peak Oil). In einer korrekten Nachhaltigkeitsbeurteilung ist also das Verhältnis Ertrag zu Aufwand bei Heizöl, Erdgas und Kernenergie deutlich kleiner als 1, weil die geförderte und investierte Energie (Aufwand) immer und zwingend grösser ist als die der Gesellschaft bereitgestellte („Ertrag“). Ein stetes Wiederholen falscher Tatsachen macht diese nicht richtiger.  

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> Kritik am BaZ-Artikel von Rainer Isenrich, CEO des Swissolar-Mitglieds Edisun