Solarstrom auf bestehenden Schweizer Dächern kann AKW-Strom ersetzen

26. September 2018

Die Website www.sonnendach.ch zeigt ab sofort für jede Immobilie der Schweiz, wie gut sie für die solare Energiegewinnung geeignet ist. Das Bundesamt für Energie schätzt daraus, dass das technisch machbare Potenzial auf Schweizer Gebäudedächern rund 50 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr beträgt – mehr als das doppelte der heutigen AKW-Produktion. Doch für den solaren Zubau fehlen die nötigen Anreize und Gelder.

Für Hausbesitzer in der ganzen Schweiz ist es nun möglich, das Solar-Potenzial ihres Daches einfach zu bemessen. Insgesamt würde sich mit den geeigneten Dachflächen mehr als das Doppelte der heutigen AKW-Jahresstromproduktion auf bereits bestehenden Dächern realisieren lassen. Doch der Photovoltaikschub bleibt derzeit leider (noch) aus. Viele Bauherren zögern, weil die Finanzierung sie vor zu viele Fragen und Unsicherheiten stellt.

Wartezeiten für Förderung bremsen Investitionen

Zwar werden dank dem Wechsel von der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) zur Einmalvergütung (EIV) deutlich mehr Anlagen gefördert und dank den neu möglichen Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch werden auch grössere Projekte auf Wohn- und Gewerbebauten wirtschaftlich interessant. Störend sind jedoch die langen Wartefristen: So müssen Erbauer von Kleinanlagen (< 100 kW) ab Anmeldung rund 2 Jahre auf Ihre Förderung warten. Erbauer von Grossanlagen (>100 kW) müssen momentan gar mit einer Wartefrist von 6 Jahren rechnen.

Das Beispiel einiger Swissolar-Mitglieder, die im Rahmen von Sonderaktionen die Fördergelder vorfinanziert haben, zeigt: Muss auf die Förderung nicht gewartet werden, wird Photovoltaik viel eher zugebaut. Es liegt nun an der Politik, einerseits die Warteliste für Fördergelder so rasch als möglich zu reduzieren und gleichzeitig die nötigen Anreize für Bauherren zu schaffen, damit das Solardachpotenzial in der Schweiz schneller und konsequenter genutzt wird.

Auch die Kantone stehen in der Pflicht

Anreize lassen sich auf Kantonsebene durch die Anpassung der Energiegesetze an die Vorgabe der Energiedirektorenkonferenz (MuKEn 2014) setzen. Die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Obwalden, Waadt und Luzern haben diesen Schritt schon vollzogen. In diesen Kantonen ist es Pflicht, bei Neubauten einen Teil des Strombedarfs selbst zu produzieren und bei Heizungssanierungen 10% des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien abzudecken.  In den Kantonen Bern und Jura steht der Prozess kurz zuvor, wird zum Teil jedoch von Referenden torpediert. In weiteren 14 Kantonen laufen die Vorbereitungsarbeiten zur Anpassung der Energiegesetze.

Solarenergie als zentraler Pfeiler unserer zukünftigen Energieversorgung

Solarenergie ist in der Schweiz die ideale Ergänzung zur Wasserkraft. Sie liefert während Trockenperioden am meisten Strom, dann, wenn wenig Wasser fliesst. Auf diesen beiden Standbeinen kann die Schweiz eine zukunftsfähige und saubere Energieversorgung aufbauen. Allein auf den heute geeigneten Dächern (siehe www.sonnendach.ch) könnten 50 TWh/Jahr (50 Milliarden Kilowattstunden) produziert werden. Auf den geeigneten Fassaden wären nach Schätzung von Swissolar zusätzliche 5-10 TWh/Jahr zu erzielen (siehe www.sonnenfassade.ch, noch im Aufbau).

Fassaden liefern im Schnitt weniger Strom pro Quadratmeter, erzielen aber eine bessere Verteilung über den ganzen Tag und über die verschiedenen Jahreszeiten. Theoretisch könnte also der gesamte Strombedarf der Schweiz auf den dafür besonders geeigneten Dach- und Fassadenflächen erzeugt werden.