Erstes Solarthermie-Contracting in Winterthur


Stadtwerk Winterthur hat die erste Solarthermie-Contracting-Anlage vorgestellt. Die 27 Vakuum-Röhrenkollektor-Module mit einem Energieertrag von 25 Megawattstunden erzeugen einen Teil des Warmwassers in den Häusern der Wohnüberbauung Park Hochwacht.


Im Park Hochwacht am Winterthurer Heiligberg entstand 2003 ein architektonisch herausragendes Ensemble von 10 Häusern mit insgesamt 41 Wohnungen im Stockwerkeigentum. Deren Gemeinschaft entschloss sich jüngst zur Nutzung von erneuerbarer Energie und zum Bau einer grossen Solaranlage. Sie bestellte die Anlage im Energie-Contracting bei Stadtwerk Winterthur. Am 5. Mai wurde nun die erste solarthermische Anlage im Energie-Contracting vorgestellt; sie fand im Kontext der «Tage der Sonne» statt.


Solarkraftwerk auf dem Flachdach

Auf dem Flachdach eines der zehn Häuser dehnt sich die 50 m2 grosse Absorberfläche mit den 27 Vakuum-Röhrenkollektor-Modulen (Elco) aus. Die so erzeugte Energie (25 Megawattstunden pro Jahr, MWh/a) dienen der Heizungsunterstützung und der Brauchwarmwasser-Erwärmung. So können rund 15 Prozent des jährlichen Brauchwarmwasserbedarfs ohne Erdgas erzeugt und somit sieben Tonnen CO2 eingespart werden.


Die zentrale Wärmeerzeugungsanlage für die gesamte Siedlung befindet sich im Untergeschoss des Hauses 26 A an der Hochwachtstrasse. Dort stehen auch die 2x1'500 Liter Solarspeicher. Zwei moderne kondensierende Erdgas-Heizkessel erzeugen die erforderliche Wärmeenergie. Die Wärme wird von dort mittels einer drehzahlregulierten Doppelpumpe über ein erdverlegtes Fernleitungsnetz zu den Unterstationen der anderen neun Häuser gefördert. Die Anlage wurde von der Firma Cofely installiert.


Besitzerin und Betreiberin der 150‘000 Franken teuren Solaranlage und der bestehenden Heizkesselanlage ist Stadtwerk Winterthur. Es handelt sich um die erste Solarthermie-Anlage der Abteilung Energie-Contracting von Stadtwerk Winterthur. «Für die Stadt Winterthur stellen derartige Anlagen einen unverzichtbaren Beitrag zu unserem Status als Energiestadt mit Label Gold dar,» sagt Stadtrat Matthias Gfeller anlässlich der Präsentation.


«Nerven, Budget und Umwelt schonen»

«Die Vorteile des Energie-Contractings liegen auf der Hand,» betont Stefan Treudler, Abteilungsleiter Energie-Contracting bei Stadtwerk Winterthur. «Mit Energie-Contracting überlassen Hauseigentümer Stadtwerk Winterthur Planung, Finanzierung, Bau und/oder Betrieb der Energieanlagen.» Die ganze Verantwortung werde für die Dauer des Vertrages (z.B. 30 Jahre) ausgelagert; damit könnten «Nerven, Budget und Umwelt gleichzeitig geschont» werden. Der Contractor ist ständig online mit der Anlage verbunden und kann jederzeit intervenieren; Energie-Contracting bietet so eine äusserst zuverlässige Dienstleistung. «Für die 41 Wohnungsbesitzer ist das ein «Sorglos»-Paket,» betont Treudler, «ähnlich wie bei einer Festhypothek kaufen sie bei Stadtwerk Winterthur die Wärme zu einem fixen Preis.» Die Mehrkosten betragen knapp 4'000 Franken pro Jahr; pro Wohnung und Monat sind das gerade mal 8 Franken. Je höher der Gaspreis wird, um so geringer wird dieser Betrag.


Unabhängiger von schwankenden Preisen

Solarwärme sei für Mehrfamilienhäuser eine besonders sinnvolle Option, sagt Gastreferent Matthias Leuenberger (Swissolar) an der Präsentation vom 5. Mai. Swissolar ist der Branchenverband von rund 300 Solar-Installateuren, -Planern und -Herstellern. Die Nutzung von Solarwärme durch Haus- und Wohnungsbesitzer sei nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, betonte Leuenberger, sondern auch ein Stück Unabhängigkeit von den schwankenden Preisen fossiler Energieträger. Swissolar begrüsst die Pionierrolle von Stadtwerk Winterthur im Bereich Solarthermie-Contracting und hofft, dass das Beispiel Schule mache. «Contracting kann die Hemmschwellen senken und Unsicherheiten von Verwaltern und Vermietern gegenüber der Technik sowie der Finanzierung von Solaranlagen überwinden helfen.»


Kosten können überwälzt werden

Als Faustregel wird mit einem Quadratmeter Kollektorfläche pro Bewohner gerechnet. Ein Quadratmeter liefert pro Jahr 600 und 800 kWh, was 60 bis 80 Liter Heizöl bzw. Kubikmeter Erdgas pro Jahr entspricht, die so eingespart werden können. Damit wird der Ausstoss von jährlich 200 kg C02 vermieden, und das während der Lebensdauer von mindestens 25 Jahren.


Das Potenzial werde leider noch viele zu wenig genutzt, bedauert Leuenberger. Den Hauptgrund ortet er darin, dass die tiefen Betriebskosten einer Solaranlage – sie brauche keinen fossilen Brennstoff – mit relativ hohen Anfangs-Investitionen erkauft werden müsse. Eine Solaranlage sei für Vermieter interessant, da Investitionen in erneuerbare Energie seit dem 1. Jan. 2008 als Mehrwert geltend gemacht und auf die Mieter überwälzt werden könnten. Diese profitierten anderseits von tieferen Nebenkosten.


Stefan Hartmann, publiziert in Haustech


Kennzahlen Energie-Contracting von Stadtwerk Winterthur:

Die Abteilung Energie-Contracting betreut mittlerweile über 125 Kundenobjekte in und um Winterthur. Sie liefert Kälte, Wärme oder auch Prozessenergie wie z.B. Dampf. 2010 wurden 51,2 Mio. kWh Wärme sowie 3,3 Mio. kWh Kälte abgesetzt. Der Umsatz belief sich 2010 rund 10 Mio. Franken.


Vorteile des Energie-Contractings

  • Keine Investition
  • Kompetenter Ansprechpartner in Sachen Energie
  • Kosten sind langfristig und klar budgetierbar
  • Contractor garantiert den Pikettdienst rund um die Uhr

 

Bildlegende (© S. Hartmann)

1) Markus Sägesser (lks), Direktor Stadtwerk Winterthur, zusammen mit Stadtrat Dr. Matthias Gfeller auf dem Dach der Wohnüberbauung Park vor der Absorberanlagemit den Vakuum-Röhrenkollektoren, die im Energie-Contracting erstellt wurde.

 

2) Die zentrale Wärmeerzeugungsanlage für die gesamte Siedlung befindet sich im Untergeschoss des Hauses 26 A an der Hochwachtstrasse. Dort stehen auch die 2x1500 Liter Solarspeicher.

 

 

 

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